8. Februar 2017

Kühne + Nagel: Erinnerung darf sich nicht kaufen lassen!

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„Was sich jetzt als anvisierte ‚Lösung‘ für das Mahnmal herausschält, das an die Beraubung der jüdischen Bevölkerung durch die sog. ‚Arisierung‘ erinnern soll, ist inakzeptabel“, so Claudia Bernhard, bau- und stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE zur Debatte um das Mahnmal ‚Kühne + Nagel‘. 

„Nach dem hoffnungsvollen, breit getragenen Bürgerschaftsbeschluss für ein Mahnmal im direkten Umfeld des Neubaus der Firma Kühne + Nagel ist das, was jetzt passiert, ein Trauerspiel. Kühne + Nagel kauft sich mit seinem Einfluss davon frei, dass das Mahnmal am Hauptsitz des Unternehmens an dessen NS-Geschichte erinnert. Stattdessen soll ein Mahnmal in der Überseestadt oder im Westend platziert werden, in drei Kilometer Entfernung von der heutigen wie damaligen Präsenz des Unternehmens. Es steht offen im Raum, dass der Senat vor tatsächlichen oder befürchteten Drohungen des Unternehmens kuscht, seine finanzielle Unterstützung am Neubau der Großhandels-Berufsschule zurückzuziehen. Nach der jahrzehntelangen Weigerung, sich mit seiner Rolle als wesentlicher Akteur und Profiteur des Raubs an jüdischem Eigentum auseinanderzusetzen, diktiert Kühne + Nagel jetzt die Art und Weise des Erinnerns. Und seine Vorgaben sind klar: Nicht vor unserer Haustür, nicht zugespitzt auf uns, eingeebnet in eine Diktion allgemeiner Täterschaft und Verstrickung, bei der von einer konkreten Schuld nicht mehr die Rede ist. Ich hoffe sehr, dass sich die Bürgerschaft dieser Karikatur von Erinnerungskultur entschlossen widersetzt.“ 

„Ich bin persönlich enttäuscht von der Rolle, die der Präsident der Bürgerschaft als sog. ‚Vermittler‘ spielt“, so Miriam Strunge, kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion. „Christian Weber scheint im Interesse von Kühne + Nagel zu vermitteln – anstatt im Interesse der Zivilgesellschaft, die sich eindeutig für ein Mahnmal im Zentrum der Stadt mit direkten Bezug zu einem der Hauptprofiteure der Beraubung an Jüdinnen und Juden ausgesprochen hat. Ein Freikaufen von Schuld darf es nicht geben. Es kann nicht sein, dass hier Tatsachen in Hinterzimmern geschaffen werden, ohne die zivilgesellschaftlichen Akteure und die Kulturdeputation miteinzubeziehen, ansonsten haben wir hier ein echtes Problem mit demokratischen Prozessen. Wenn wir zivilgesellschaftliches Engagement ernst nehmen, wenn wir unseren eigenen Bürgerschaftsbeschluss ernst nehmen, dann muss das Mahnmal direkt bei Kühne + Nagel errichtet werden. Alles andere ist ein fauler Kompromiss, der ein Erinnern im Stadtkern verhindern will und mit uns nicht zu machen ist. Jetzt braucht es laute Stimmen aus der Stadtgesellschaft, die auf die Umsetzung des Beschlusses pochen. Die Mahnmal-Frage ist zu einer Grundsatzfrage geworden, auch für die Fraktionen in der Bürgerschaft.“