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17. Januar 2012

Der Oberspekulatius kommt zum Bremer Eiswettfest

Eiswette am Punkendeich bei Hochwasser

Es ist Tradition in Bremen seit 1829, dass am Drei-Königs-Tag am 6. Januar die Honoratioren der Hansestadt wetten, ob die Weser "geiht" oder "steiht". Dem Eiswettschneider fällt dabei, das ist auch Tradition, die Rolle des Possenreißers zu, der die Herrschaften gebührend unterhält und auch - sehr verhalten - seine kleinen zeitkritischen Witzchen machen darf. In diesem Jahr hatte sich der kleine Schneider die Guy-Fawkes-Maske der "Occupy"-Bewegung zugelegt, keck über die "Spekulatius"-Bewegung gespottet und empfohlen, die Bremer Straße am Wall, äh die Bremer Wallstreet zu besetzen.

Sozusagen der deutsche Oberspekulatius, Josef Ackermann von der Deutschen Bank, ist nun als Ehrengast zusammen mit Springer-Chef Mathias Döpfner zum "Eiswettfest" am 21. Januar in das Congress Centrum Bremen geladen. Bei dem zweiten Teil der Bremer Traditionsveranstaltung werden mehr als 700 aus ganz Deutschland geladene Herren (Damen nicht zugelassen) zum Festmahl zusammenkommen.

Das Bremer Friedensforum hält die Einladungen in seiner Presseerklärung vom 17. Januar ausgerechnet an Ackermann nicht gerade für ein Zeichen humanitärer Gesinnung der Bremer Eiswette-Organisatoren. Gerade Josef Ackermann sei inzwischen zum "Symbol für die Skrupellosigkeit von Geldgeschäften" geworden. Erst letztes Jahr habe sich herausgestellt, dass die Deutsche Bank mit Herstellern der international geächteten Streumunition, u.a. mit der spanischen Rüstungsfirma Instalaza S.A. und dem US-Konzern Textron Geschäfte gemacht habe. Die Deutsche Bank habe zwar angekündigt, zu solchen Firmen die Geschäftsbeziehungen einzustellen, doch vom Vollzug sei bisher nichts bekannt geworden. Inzwischen habe die Verbraucherschutz-Organisation "foodwatch" aufgedeckt, dass die Deutsche Bank auch an Spekulationsgeschäften mit Lebensmitteln beteiligt und somit mitverantwortlich für Preissteigerungen von Grundnahungsmitteln ist. Foodwatch bezeichnet dieses Geldinstitut als "Hungermacher", da von den Preiserhöhungen  besonders Menschen in den Entwicklungsländern betroffen sind.

Eine „Begrüßungsgruppe“ des Bremer Friedensforums trifft sich am 21. Januar um 14.15 Uhr an der Rampe zum Kongresszentrum, in dem das Stiftungsfest stattfindet.
(sh)