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2. Februar 2016

Kühne + Nagel-Neubau: Beirat Mitte stimmt zu

Das Logistik-Unternehmen Kühne + Nagel will sein jetziges Firmengebäude an der Wilhelm-Kaisen-Brücke in der Bremer City abreißen und durch einen riesigen Beton-Glas-Komplex ersetzen, der erheblich höher und breiter ist. Der dafür benötigte zusätzliche Grund gehört der Stadt. Das neue Gebäude soll bis zur Brücke reichen. Auch die bisherige Rechtsabbieger-Spur aus der Martinistraße würde damit zugebaut.

Einen Architekten-Wettbewerb für das geplante Bauwerk, wie es bei einem stadtbildprägenden Haus wie diesem üblich ist, hat das Unternehmen abgelehnt.

„Der Prozess verläuft von Anfang an völlig intransparent und an der Öffentlichkeit und der Bürgerschaft vorbei“, kritisiert die stadtentwicklungspolitische Sprecherin des Bremer Landesvorstands der LINKEN, Stefanie Möller, den Vorgang. „Bedenken der Architektenschaft und der Denkmalpflege an der geplanten Form des Neubaus, insbesondere an der Höhe, werden nicht ernst genommen.“

Gestern Abend tagte der Beirat Mitte. Bei der Abstimmung zum Grundstücksverkauf sind die Grünen eingeknickt. Denn am Morgen wurde noch im Stadtteilkurier berichtet, dass die Grünen-Fraktion den Verkauf des städtischen Grundstücks an Kühne + Nagel zumindest aussetzen wolle. Nur wenige Stunden später aber haben sie sich der Stimme enthalten.

Der Konzern Kühne + Nagel befindet sich in dritter Generation in Familienbesitz. Das Unternehmen hat in der NS-Zeit Profite mit der „Arisierung“ gemacht, d.h. mit der Enteignung jüdischen Besitzes: Kühne + Nagel besorgte die Transporte.

Europaweit transportierte die Firma auch Raubkunst im Auftrag des NS-Regimes. „Hier wird ein bauliches Denkmal für die Kühne-Dynastie geschaffen“ stellt Claudia Bernhard fest. Für die Bürgerschaftsabgeordnete der LINKEN sei es daher ein problematisches Signal für ein Unternehmen, das als Dienstleister von Arisierung und NS-Raubzügen groß geworden ist und sich „nach wie vor einer konsequenten Aufarbeitung entzieht“.

Nach 1945 machte Kühne + Nagel Geschäfte mit dem Apartheid-Staat in Südafrika und der Batista-Diktatur in Kuba. Der zu einem Weltkonzern gewachsene Betrieb verlegte 1976 seinen Firmensitz in die Schweiz, um dem deutschen Mitbestimmungsgesetz zu entgehen. Später versuchte Kühne + Nagel mehr als zehn Jahre lang, die Gründung eines Europäischen Betriebsrats zu verhindern.

Gegen den geplanten Verkauf kommunalen Grunds an die Firma gab es öffentliche Kritik. Große Hoffnungen richteten sich daher auf die Sitzung des Beirats Mitte: Eine Aussetzung des Grundstücksverkaufs hätte mit den Stimmen von Grünen und LINKEN eine Mehrheit haben können. Am 11. Februar 2016 wird sich als nächstes die Bau-Deputation der Bürgerschaft mit dem Kühne + Nagel-Neubau befassen. [Dr. Christoph Spehr | mh]

Hier der Flyer zum 'Kühne + Nagel'-Neubau zum Download.