13. Juni 2015

Der Zustand in der Steinsetzerstraße ist menschenunwürdig

Fotos: privat

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Ein Besuch der Bewohner der ZAST in der Steinsetzer Straße hat die Bürgerschaftsabgeordnete Sofia Leonidakis fassungslos zurückgelassen. Die Einrichtung war früher die Zentrale Erstaufnahmestelle des Landes Bremen, die nun in die Alfred-Faust-Straße gezogen ist. In dem Gebäude in der Steinsetzer Straße werden nun hauptsächlich Minderjährige, aber auch volljährige Flüchtlinge untergebracht.

Das Gebäude ist marode und hoffnungslos überbelegt. Zugelassen ist die Einrichtung, die als Jugendhilfeeinrichtung niemals eine Betriebserlaubnis bekommen würde, für 135 Minderjährige, die ambulant betreut werden. Tatsächlich wohnen dort mittlerweile über 200 Kinder und Jugendliche. 

Rund 50 Jugendliche leben auf Matratzenlagern oder kaputten Metallgestellen im Keller - ohne Schrank, ohne Privatsphäre, ohne Ruhe, geschweige denn einen Schreibtisch an dem sie ihre Hausaufgaben erledigen könnten. Ihnen stehen nur zwei völlig verschmutzte Toiletten sowie zwei Duschen, alles in einem Container im Innenhof, zur Verfügung.

Die übrigen Jugendlichen sind über drei Stockwerke in Zimmern mit mindestens drei, jedoch bis zu neun Personen in einem Zimmer untergebracht. Auch dort liegen die Matratzen teilweise direkt auf dem Boden, und auch ihnen stehen sehr wenige Toiletten und Duschen, die oft defekt und durchgängig versifft sind, für sehr viele Personen zur Verfügung.

Die Jugendlichen leben dort seit bis zu neun Monaten. Sie gehen in der Regel in die Schule: Vorklasse mit Deutschunterricht. Der Unterricht findet an drei Tagen die Woche für wenige Stunden statt. Einen Ort, um in Ruhe Hausaufgaben zu erledigen, gibt es im ganzen Haus nicht. Rund 60 bis 70 Jugendliche haben noch überhaupt keinen Schulplatz oder Deutschkurs, obwohl sie schulpflichtig sind und ein Recht auf Bildung haben. Die Gesundheitsversorgung für die Jugendlichen ist komplett unzureichend. Das Gesundheitsamt bietet dort lediglich einmal pro Woche eine dreistündige Sprechstunde für Minderjährige an.

Neben der katastrophalen Hygienesituation und den unzumutbar engen Wohnbedingungen sind auch die psychischen Folgen fatal. Viele Jugendliche hängen in der ZAST seit Monaten regelrecht fest. Sie werden immer öfter vom Jugendamt als volljährig eingeschätzt. Wenn sie dagegen Widerspruch einlegen, müssen sie in der ZAST bleiben, die Jugendhilfestandards weit unterläuft, obwohl sie möglicherweise eben doch minderjährig sind. 

Dieser rechtliche Schwebezustand und die menschenunwürdigen Unterbringungsbedingungen machen die Jugendlichen psychisch mürbe. Es entstehen soziale Spannungen, der Frust, die Depression und die Perspektivlosigkeit werden natürlicherweise aneinander abgelassen.

Es entsteht eine Lager-Hierarchie, Neuankömmlinge sind ganz unten. Das ist angesichts häufig traumatischer Erlebnisse im Herkunftsland und auf der Flucht eine dramatische Situation ohne gefühlten Schutz, ohne „Ankommen-Können“, ohne Vertrauen und ohne Perspektive in therapeutischer Hinsicht kontraproduktiv. Die Gesamtsituation ist dermaßen unerträglich, dass es bereits drei Suizidversuche gegeben hat.

Die Wohnbedingungen sind grundsätzlich menschenunwürdig. Für Minderjährige sind sie mit Sicherheit Kindeswohlgefährdend.

Wir fordern die Sozialsenatorin auf, in diesem Gebäude grundsätzlich keine minderjährigen Flüchtlinge mehr unterzubringen. Sie müssen sofort alters- und bedarfsgerecht in Jugendhilfeeinrichtungen untergebracht werden, nötigenfalls in Hotels.