8. Oktober 2015

Frist oder stirb?

Foto: Milan-David

Fotos: mh

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Video: mh

Gerade läuft an der Uni Bremen die sogenannte Orientierungswoche. Gemeinsam mit der Bremer Linksjugend [´solid] und dem SDS sind Landessprecherin Doris Achelwilm, Landesvorstandsmitglied Michael Horn sowie die Bürgerschaftsabgeordnete Miriam Strunge auf dem Campus unterwegs, um die neuen Studierenden mit Kaffee, Keksen und Kommunismus zu begrüßen.

Parallel dazu machten sie auf die Linkspartei-Kampagne "Das muss drin sein" aufmerksam, um am gestrigen „Welttag für menschenwürdige Arbeit“ auf die prekären Arbeitsbedingungen an Hochschulen und Universitäten hinzuweisen. Denn an kaum einer anderen öffentlichen Einrichtung finden sich so viele problematische Beschäftigungsverhältnisse wie an den Hochschulen: Ketten-Befristungen mit kurzen Vertragslaufzeiten, Arbeitsverdichtung und unbezahlte Mehrarbeit gehören zum Berufsbild. Fehlende Planbarkeit wissenschaftlicher Karrieren und die besonders schwierige Situation von Frauen und Beschäftigten mit Familie werden ebenfalls seit Jahren von WissenschaftlerInnen, Personalvertretungen und Gewerkschaften problematisiert.

„Ein unbefristeter Vertrag ist für wissenschaftliche MitarbeiterInnen praktisch wie ein Sechser in Lotto“, meint die wissenschafts- politische Sprecherin der Bremer Linksfraktion, Miriam Strunge. „Seit Jahren werden die Arbeitsbedingungen an den Hochschulen kritisiert, aber es ändert sich bisher wenig. Die meisten MitarbeiterInnen im wissenschaftlichen Mittelbau hangeln sich von einem befristeten Vertrag zum nächsten, längerfristige Zukunftsplanungen werden so unmöglich gemacht. Die Unsicherheit, im nächsten Jahr vielleicht ohne Job dazustehen, ist ständiger Begleiter.“

Damit Beschäftigte, die Regelaufgaben in Lehre und Forschung übernehmen, möglichst langfristige oder unbefristete Arbeitsverträge bekommen, fordert DIE LINKE ein Landesprogramm zur Entfristung, für das der Senat Mittel bereitstellt, um WissenschaftlerInnen an den öffentlichen Hochschulen eine verlässliche berufliche Perspektive zu bieten. Zusätzlich braucht es eine verstärkte Nachwuchsförderung für junge WissenschaftlerInnen und Promovierende. Die hohe Drittmittelabhängigkeit der Bremischen Hochschulen und die strukturelle Unterfinanzierung durch das Land Bremen müssen auch im Sinne guter Lehre und guter Beschäftigungsverhältnisse an der Uni behoben werden.

Besonders kritisch stellt sich die Arbeitssituation der Lehrbeauftragten dar. „Wenn Lehrbeauftrage Regelaufgaben in der Lehre übernehmen, werden sie als billige Arbeitskräfte eingesetzt, die ohne jeglichen Sozialversicherungsschutz und bei geringem Stundenlohn einfach am günstigsten und flexibelsten sind. Laut Bremer Hochschulgesetz sollen Lehrbeauftragte nur ‚zusätzlich‘ für Sonderaufgaben eingesetzt werden – und das zu fairen Arbeitsbedingungen und angemessen entlohnt."

"Von so einer Realität ist diese besonders prekär beschäftigte Gruppe aber weit entfernt. Das muss aufhören: Für dauerhafte Aufgaben in der Lehre braucht es auch dauerhafte Stellen“, so Strunge abschließend.

Auf Bundesebene wird aktuell an einer Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes gearbeitet, in Bremen steht eine Novellierung des Hochschulgesetzes an. DIE LINKE erwartet vom Senat deshalb auch Auskunft über die geplanten Maßnahmen zur Eindämmung von Befristungen und prekären Berufsperspektiven. [Red. – mit Material der Linksfraktion]

Hier das Aktionsvideo dazu.